Schnitt von Bademoden

Badebekleidung hat in den vergangenen Jahrhunderten eine wahre Revolution erlebt. Heute kann sich kaum eine Frau vorstellen, in einem langen Gewand ins Wasser zu hüpfen. Allerdings gibt es in Deutschland eine kleine Anzahl von Menschen, die das hin und wieder aus nostalgischen Gründen und aus Spaß an der Verkleidung tun. Mit der Frauenbewegung zu Beginn der 1920er Jahre nahm dann auch die Badebekleidung inoffiziell neue Formen an, der Durchbruch gelang in den 1940er Jahren mit der Erfindung des Bikinis. Doch damit war noch lange nicht Schluss, denn die sexuelle Revolution der siebziger Jahre setzte hier noch eines drauf. Heute ist bei den Schnitten erlaubt, was gefällt, von Vintage-Bademode über Monokini und Tankini bis hin zum futuristischen Hauch von Nichts für das Strandoutfit.

Bademoden-Schnitte von Anno Dazumal

In der Mitte des 19. Jahrhunderts trug Frau am und im Wasser leicht über das Knie ragende und mit einem Reifrock versehene Kleider, die bis zum Hals geschlossen waren. Unter dem Rock lugte bis an die Fußspitzen eine Pumphose heraus. Von der Figur ließ sich so nur wenig erahnen. Es galt, "züchtig" und anständig, ohne jegliches Abzeichnen der Silhouette am Strand aufzutreten. Zum Ende des Jahrhunderts lockerte sich dieses Badeoutfit. Reifrock und Pumphosen durften im Schrank verschwinden, der Einteiler bis zu den Knien, allerdings noch Schulter und Oberarme bedeckend, wurde nun zum Baden ausgeführt. In den nordeuropäischen Breitengraden machte der Matrosenlook von sich reden, wobei hier noch das knielange Kleid mit knielangen Badehosen darunter bei den Frauen hoch im Kurs standen.

1920-1970: Die Frau in Bewegung, auch in Sachen Bademode

Die Frauenbewegung setzte sich bereits in den 1920er Jahren in Gang. Frauen wollten studieren, arbeiten, sie wollten den Männern gleichgestellt sein. Das zeigte sich in der Mode mit maskulinen Schnitten, die sich auch auf den Badeanzug übertragen haben. Der typische Einteiler für die Dame war nun ärmellos, geradegeschnitten und bedeckte die Beine bis knapp über das Knie. Immer noch "züchtig", aber dennoch etwas freizügiger.

In Amerika erlebte der Badeanzug in den 1940er Jahren einen wahren Boom. Das lag vor allen Dingen an hochkarätigen Hollywoodfilmen mit Top-Besetzungen. Die Badeikone Esther Williams gilt als Vorreiterin für Badeanzüge mit Sexappeal im figurbetonten Schnitt und mit Hervorhebung der fraulichen Reize, gefolgt von der Sexgöttin Marilyn Monroe. Die Haut wurde zunehmend freigelegt. Badeanzüge im Corsagenstil, Neckholder und Triangel-Bikini eroberten Leinwand und Frauenherzen. In den 50er Jahren herrschte die unbekümmerte und verspielte Romantik vor, inspiriert von sexy Pin-Ups. Figurumschmeichelnde und figurformende Schnitte mit taillenhohen Höschen oder kessen Röckchen sowie Bikini-Oberteilen, die das Dekolleté perfekt in Szene setzten, bestimmten das Bademodenbild.

Während diese Zeit gerade für die Damen mit mehr Format unsagbar viele Bademoden-Optionen bot, kündigte sich in den 1960er Jahren und mit dem Magermodel Twiggy eine neue Ära an. Bikinis aus Wolle und Synthetikfaser ersetzten den Badeanzug weitestgehend, das Bikini-Höschen rutschte weit ab unter die Hüfte, der Busen war nur noch von einem minimalen Stück Stoff oder Luftmaschen bedeckt. Der Häkellook erlaubte zusätzliche Einblicke. Der Prüderie wurde endgültig Adieu gesagt.

Ab den 1980er Jahren war in Sachen Schnittformen für Badebekleidung Experimentierfreudigkeit bei den Designern angesagt. Immer wieder präsentierten sie ausgefallene Modelle, die allerdings nur auf dem Laufsteg wirklich Pluspunkte sammeln konnten, im wahren Leben griffen die Frauen auf die bewährten Schnitte zurück.

Schnitte aller Couleur im 21. Jahrhundert - Erlaubt ist, was gefällt

An den Grundschnitten für Badeanzug und Bikini hat sich bis heute nicht viel geändert. Neckholder, Triangel, Bustier oder Bandeau sind die Basis für Bikinis, die sich lediglich durch den Beinausschnitt und die Schnittform des Bikini-Höschens (z.B. Tanga, String, Panty) voneinander unterscheiden und mit diversen Extras ausgestattet sein können. Farben und Muster sowie Verschlussdetails nehmen optisch großen Einfluss auf die Schnittwirkung. Bei den Bikini-Oberteilen und den Badeanzügen finden sich Modelle mit Schalen, Bügeln, Push-Up-Effekt, welche das Dekolleté nach den eigenen Wünschen betonen, optisch verkleinern oder vergrößern. Knapp und sexy oder aber weitschwingend und figurumspielend mit ausgestelltem Tankini-Oberteil, kaschierenden Beinvarianten, angenähtem Rock oder Drapierungen und Raffungen - Frauen können individuell auswählen.

Der Monokini mit seinen unzähligen Cut-Out und Design-Möglichkeiten gehört zu den verführerischen Highlights bei den angesagten Schnittformen. Dabei ist das stylische Teil keine brandneue Erfindung. Bereits in den 1940er Jahren ging das Urmodell an den Start, das aber wegen seiner enormen Freizügigkeit auf dem Markt keinen Fuß fassen konnte. Auch in den siebziger Jahren waren Monokinis ein großes Thema, allerdings wurden sie damals nicht unter dieser Bezeichnung verkauft. Erst 2006 erfolgte die Neuauflage des aufsehenerregenden Einteilers mit entsprechender Vermarktung.

Für Frauen, die sich aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit nur in körperbedeckender Badebekleidung zeigen dürfen, ist der Burkini in ebenfalls zahlreichen Schnittformen erhältlich.

Ein Mix aus verschiedenen Schnitten, die leicht abgewandelt sind oder sich an Retro-Vorbildern orientieren - Das ist es, was Badebekleidung von heute so vielseitig und abwechslungsreich macht.